INTERVIEW /// … weil ich eben kein Ausbeuter bin!

Zeitarbeitsunternehmen bieten alternative Jobangebote. Sie können angenommen werden oder auch nicht. Personaldienstleister sind ganz normale Arbeitgeber mit allen Rechten und Pflichten, die zudem an die jeweiligen Tarifverträge gebunden sind. Dennoch steht die Branche weiterhin in den negativen Schlagzeilen.
Welchen Vorurteilen müssen Personaldienstleister und deren Inhaber sich immer wieder stellen?
Eine Analyse mit Lars Stiefvater, Chef der Lars Stiefvater Unternehmensgruppe aus Nürnberg.

Frage (F): Sind Sie ein Ausbeuter, Herr Stiefvater?

Antwort Lars Stiefvater (A): Die philosophische Antwort darauf kann nur lauten, dass in der Gesellschaft, in der wir leben, eigentlich jeder Arbeitnehmer (egal, wie der Verdienst auch sein mag) ausgebeutet wird.

(F): Aber als Personaldienstleister nehmen Sie doch den fest angestellten Arbeiternehmern den Arbeitsplatz weg.

(A): Ich wehre mich gegen den Begriff fest angestellte Arbeitnehmer, weil auch unsere Mitarbeiter in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis tätig und bei uns fest angestellt sind.

(F): Und was ist mit ausufernden Arbeitszeiten und Werkverträgen?

(A): Die gibt es bei uns nicht – wir haben gute Tarifverträge, die von den Gewerkschaften abgeschlossen wurden und die sich durchaus sehen lassen können. Da ist alles im Topf:
Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, bis zu 30 Tage Urlaub, Sonderurlaub, bezahlte Freistellungen.

(F): Das hört sich gut an. Wie begründen sich die vielen Vorurteile gegen Personaldienstleister dann?

(A): In jeder Branche gibt es die berühmten schwarzen Schafe, aber letztendlich fühle ich mich da nicht angesprochen, weil es bei uns ordentliche Tarifverträge und ordentliche Arbeitsverhältnisse gibt – und damit eben auch ein ordentliches Miteinander. Das ist einer der Gründe, warum wir so erfolgreich agieren und viele unserer Arbeitnehmer teilweise 10 oder sogar 12 Jahre bei uns angestellt sind. Das spricht für unsere Mitarbeiter, aber auch für uns als Arbeitgeber. In der klassischen Zeitarbeit ist es keineswegs üblich, dass jemand mehr als 10 Jahre bei einem Zeitarbeitsunternehmen tätig ist.

(F): Sie bedienen mit der Lebensmittelindustrie ja nun einen ganz speziellen Personalsektor, bei dem immer wieder die Rede davon ist, dass Arbeiter für die Hälfte des Tariflohns oder für Niedriglöhne schuften.

(A): Vorweg: In unseren Köpfen muss sich im Hinblick auf die Wertigkeit von Lebensmitteln endlich etwas bewegen. Bei vielen Billigkäufern scheint noch nicht angekommen zu sein, dass billige Lebensmittel mit billigen Arbeitskräften billig produziert werden.

Und das ist möglich, weil Arbeitskräfte aus Osteuropa nach Deutschland entsendet wurden, ohne dass allerdings Sozialabgaben oder Steuern dafür in Deutschland abgeführt werden mussten. Mittlerweile muss zwar der Mindestlohn auch für entsendete Arbeitskräfte gezahlt werden, Sozialabgaben und Steuern allerdings nicht. Da besteht dringendster Handlungsbedarf seitens der Politik.

Übrigens haben wir aktuell rund 300 Mitarbeiter aus 35 Nationen sozialversicherungspflichtig bei uns beschäftigt.

(F): Sie scheinen zu handeln – Ihre Unternehmensgruppe hat sehr viele Einzel-GmbHs.
Was hat es damit auf sich?

(A): Transparenz.Wir bilden ganz bewusst die jeweiligen verschiedenen Geschäftssparten in eigenständigen Unternehmen ab – Übersicht pur also für Kunden, Angestellte und Behörden.

(F): Sehen Sie sich als Kapitalist?

(A): (lacht) Ich habe meinen Weg ja nicht als Kapitalist eingeschlagen, sondern als Angestellter in einem Zeitarbeitsunternehmen. Als ich mich selbstständig machte, gab es im Freundes- und Bekanntenkreis natürlich auch Gespräche zum Thema Personaldienstleister. Der Ruf von Zeitarbeitsfirmen war Anfang der 1990er-Jahre nicht gerade der beste, dennoch war das Thema nie ein Streitpunkt, weil ich eben kein Ausbeuter bin.